Christiane Feuerstack

Was geht uns das Karma unserer Kinder an

Können wir in der heutigen Zeit unserem Erziehungsauftrag überhaupt noch gerecht werden, ohne die karmischen Grundtendenzen und Aufgaben der Kinder zu kennen?

Haben wir ein Recht oder sogar die Pflicht, diesbezüglich zu forschen und korrigierend einzugreifen? Welche Auswirkungen hat dies auf unser eigenes Karma? Wie gewinnen wir Sicherheit, keinen Schaden anzurichten und das Kind optimal auf seine Lebensziele vorzubereiten?

Auch heute noch, fast ein Jahrhundert, nachdem Rudolf Steiner in verschiedenen Zusammenhängen nachdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen hat, den Karmagedanken durch konkrete Forschung für die praktische Anwendung fruchtbar zu machen --- vor allem auch im pädagogischen und therapeutischen Bereich --- herrscht auf diesem Gebiet nach wie vor eine große Scheu und Skepsis. Teilweise ist diese Skepsis sicher berechtigt, denn wie jede Wahrheit kann auch der Karmagedanke missbräuchlich benutzt werden und zu allerlei Spekulationen und Fehlurteilen über andere Menschen führen statt zu wirklichen Einsichten und daraus resultierender moralischer Verantwortung.

Im „Heilpädagogischen Kurs“ fordert Rudolf Steiner ausdrücklich von den Pädagogen, inneren Mut zu entwickeln, um korrigierend in das Karma der Zöglinge einzugreifen. Wie hat man sich das konkret vorzustellen? Kann man überhaupt in etwas eingreifen, was man gar nicht kennt? Oder anders gefragt: müssen wir nicht Karma – Erkenntnis anstreben, um sinnvoll und heilend eingreifen zu können?

Zunächst einmal sollte man sich klarmachen, dass selbstverständlich jeder Erziehende oder Heilende durch seine Tätigkeit in das Karma der ihm Anvertrauten eingreift, unabhängig davon, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Wirkungen auf das eigene und fremde Karma finden permanent statt, durch jede Handlung, jede Entscheidung, jedes Wort und sogar durch Gedanken, die wir dem Anderen gegenüber hegen.

Vor einigen Jahren machten Psychologen an einer Schule folgendes Experiment: Sie führten in einer Klasse mit allen Schülern Intelligenz- und Leistungstests durch. Danach erzählten sie den Lehrern der Klasse, dass bei etwa der Hälfte der Schüler im nächsten halben Jahr Leistungsverbesserungen zu erwarten seien, bei der anderen Hälfte ließen die Tests auf sich anbahnende Verschlechterungen schließen. Die Lehrer wussten nicht, dass die Psychologen eine völlig willkürliche Auswahl getroffen hatten, die keinerlei Zusammenhang mit den Testergebnissen hatte. Sie glaubten an die gemachte Vorhersage und beobachteten die Schüler im Hinblick auf die zu erwartenden Veränderungen. Nach einem halben Jahr hatten sich tatsächlich alle Schüler in die erwartete Richtung entwickelt. Und das, obwohl diese Erwartungen rein willkürlich in den Köpfen der Lehrer erzeugt worden waren!

Dieses Beispiel sollte genügen, um ein Bewusstsein davon zu wecken, dass Einwirkungen auf die Entwicklung und letztlich auch auf das Karma der Kinder nicht unwesentlich von unserer eigenen inneren Haltung und den alltäglichen Handlungen abhängen. Permanent greifen wir durch unsere Entscheidungen und unsere Einstellung gegenüber dem Kind in dessen Karma ein, sei es fördernd und heilend oder eben schlimmstenfalls auch hemmend und schädigend. Es wäre eine Illusion, zu glauben, dass dieses Eingreifen überhaupt vermeidbar ist. Was also meint R. Steiner mit seinem Hinweis auf die Notwendigkeit des Eingreifens?

„…Und so muss man wissen, dass es sich handelt um ein tiefes Eingreifen in die karmischen Tätigkeiten, die sich sonst vollziehen würden zwischen Tod und einer nächsten Geburt. (…) Das gewöhnliche Leben zwischen Geburt und Tod, das bewahrt den Menschen vor der Notwendigkeit dieses inneren Mutes. Da kann er fortwährend das tun, was er gewohnt ist, woran er sich gewöhnt hat. Da trollt er sich fort nach dem, was in ihm steckt, da sieht er die Ansichten immer als die Richtigen an, hat nicht nötig, sich neue Ansichten zu geben. Das ist gut für das Leben, das sich bloß in der physischen Welt vollzieht, so darinnen zu stehen. Aber wenn man zum Wirken aus dem Geistigen kommt, muss man sich täglich, stündlich vor Entscheidungen gestellt fühlen, bei jeder Tat sich vor die Möglichkeit gestellt fühlen, sie tun zu können oder unterlassen zu können, oder sich völlig neutral verhalten zu können. Und zu diesen Entscheidungen gehört eben Mut, innerer Mut. (…) Und der erwacht nur, wenn man sich die Größe der Dinge immer vor Augen stellt: du tust etwas, was die Götter sonst tun im Leben zwischen Tod und nächster Geburt. Das zu wissen, ist von gar großer Bedeutung. Nehmen Sie das meditierend auf.“ (Heilpädagogischer Kurs, 26. Juni 1924)

Valentin Wember kommt in seinem Beitrag „Reinkarnation und Pädagogik“ in dem Buch „Wie wir wurden, wer wir sind“ (herausgegeben von Nothard Rohlfs) zu dem Ergebnis, dass die von R. Steiner gegebenen Hinweise auf karmische Gesetzmäßigkeiten durchaus von Pädagogen so aufzugreifen sind, dass sie sich sowohl in gedanklicher Art als auch durch bildhafte Schauungen mit dem Karma ihrer Schüler auseinandersetzen sollten. Die Grundbedingung dafür sei, dass sich der Erzieher selbst mit einbezieht in das Schicksal des Kindes und daraus eine moralische Handlungsweise erfolgen lässt:

„Das Auftreten einer bildhaften Schauung aus vermeintlichen früheren Erdenleben ist als solches kein Wahrheitskriterium. Ob aber eine schauende Erinnerung in die richtige Richtung weist, zeigt sich daran, ob aus ihr neue, fruchtbare Handlungen hervorgehen. (…) Der Wahrheitsgehalt einer karmischen Erinnerung liegt nicht in ihr selbst – und auch nicht in der Vergangenheit, sondern er liegt in einer schöpferischen Zukunft, die aus Willensentschlüssen und Taten besteht.“ Die von V. Wember angeführten Ausführungen R. Steiners eröffnen seiner Ansicht nach „der Pädagogik ein großes neues Feld, und nicht umsonst sagt R. Steiner, dass es von unermesslicher Bedeutung sei, in der geschilderten Weise zu wirken. (…) Zunächst geht es um die helfende pädagogische Tat, nicht um Erinnerung. Es geht darum, wie sich der Erzieher selbst verändern und moralisch- pädagogisch weiterentwickeln kann, um dadurch auch seinem Zögling bei dessen Entwicklung helfen zu können.“

In meiner „Imaginations- und Karmaarbeit“ spielen die genannten Fragestellungen zunehmend eine große Rolle. Ebenso wie bei der Erforschung des eigenen Karmas kann es keinesfalls um die Befriedigung von Neugier gehen, wenn wir uns den Beziehungen zu unseren Kindern, Partnern, Schülern oder Kollegen meditativ nähern wollen. Die allererste Grundforderung ist hier absoluter Respekt vor der Freiheit und der Intimsphäre des anderen Menschen. Hier taucht natürlich sofort die Frage auf: „Was ist erlaubt und was nicht? Wie weit können und dürfen wir überhaupt Einblicke in das verborgene Innerste einer anderen Seele haben? Rechtfertigt der Wunsch, einem anderen helfen zu wollen oder eine Beziehung klären zu wollen, sich mit dieser anderen Seele imaginativ zu beschäftigen?“

Merkwürdigerweise stellen sich relativ wenige Menschen die Frage, ob es erlaubt ist, über andere Menschen schlecht zu reden, über ihre Motive und Sichtweisen zu urteilen oder sich über ihre Schwächen lustig zu machen. Dass durch gehässiges und urteilendes Reden über jemanden dem Betreffenden realer Schaden zugefügt wird, macht man sich selten klar. Umgekehrt ist es eine ebensolche Realität, dass durch liebevolle Gedanken und um Verständnis ringende Gespräche über ein Kind, einen Patienten oder einen Menschen in Not dieser eine Stärkung und Befreiung erfahren kann, selbst wenn er von diesen Gesprächen nichts weiß. Lehrer können das immer wieder erleben, wenn sie ein „Problemkind“ zum Mittelpunkt eines Gesprächs machen und sich seinem Wesen durch einander ergänzende Berichte und Betrachtungen nähern, dass dieses Kind am Tage nach diesem Gespräch plötzlich wie verwandelt erscheint.

Dieser Effekt kann durch eine meditative Betrachtungsweise und Einbeziehung der Karmafrage noch wesentlich verstärkt werden. Die Erfahrung zeigt, dass dabei zunächst der Meditierende selbst eine Verwandlung erfährt. Auf neugierige oder taktlose Fragen wird man keine Antwort bekommen. Denn es geht bei der Erforschung karmischer Zusammenhänge nicht um Wissen oder Erklärungen von Phänomenen, sondern in erster Linie um Selbsterkenntnis und daraus resultierender Selbstverwandlung. Man kann nicht Karma – Erkenntnis haben und dabei der gleiche Mensch bleiben, der man vorher war. Ohne die Bereitschaft zur Veränderung wäre Karmaforschung sinnlos oder sogar schädlich. Das gilt nicht nur für die Erforschung der eigenen Vergangenheit, sondern auch für Einblicke, die wir in das Karma uns verbundener Seelen haben dürfen. Wir bekommen nur in solchen Fällen etwas offenbart, in denen diese Offenbarungen zu unserer eigenen Verwandlung und zum Wohle aller Beteiligten beitragen können.

Bevor man einem anderen helfen kann, muss man ihn erst verstehen lernen. Die Probleme, die wir miteinander haben, resultieren häufig aus dem Unverständnis dessen, was der Andere wirklich braucht. In vielen Fällen geht es als erstes darum, die eigene Einstellung zu verändern, um dem Gegenüber Erleichterung zu verschaffen. Falsche Erwartungen, Bevormundungen, Pseudoverantwortlichkeiten, Abhängigkeiten oder unerlaubte Übergriffe können erkannt und verändert werden. Dass man dabei Einblicke in das gemeinsame Karma oder auch nur in das des Anderen bekommt, geschieht nur in solchen Fällen, in denen es für das Verständnis oder die Heilung hilfreich ist. Oft genügt es schon, durch Symbole alte Fesseln oder Blockaden zu erkennen, um sie beseitigen zu können. Manchmal muss auch die Beziehung von Mensch und Engel gestärkt werden, oder man bittet Heilungsengel dazu, das zu tun, was jetzt notwendig ist.

Eine Belästigung oder Manipulation des anderen Menschen kann es meiner Erfahrung nach bei dieser Methode nicht geben. Wenn die Seele keine Hilfe annehmen möchte, wird man das in der Meditation immer deutlich wahrnehmen. Aber selbst wenn man eine Ablehnung erfährt, kann dies schon eine Verständnishilfe sein. Man kann z. B. wahrnehmen, dass eine Seele beschlossen hat, für eine bestimmte Zeit einen Weg der Einsamkeit und des Leids zu wählen, um bestimmte Erfahrungen und Lernschritte zu machen, wovon man sie nicht abbringen sollte, auch wenn es einem selber weh tut, dabei zuzusehen. In solchen Fällen hat auch der Engel dieses Menschen keine Möglichkeit, einzugreifen. Trotzdem kann der Meditierende von diesem Engel oft hilfreiche Hinweise bekommen, was im konkreten Fall getan werden kann. Manchmal ist es geradezu notwendig, dass Menschen sich mit einer Bitte oder Frage an die Engel wenden, damit diese tätig werden können.

Viele Leser werden den Hinweis Rudolf Steiners kennen, sich abends mit dem Engel eines Kindes zu verbinden, ihn bei Problemen um Rat zu fragen oder um seine Hilfe zu bitten. Die Engel antworten immer, auch wenn man es nicht immer gleich versteht, sei es unmittelbar in der Meditation oder indem z.B. am nächsten Tag ein klärender Gedanke von innen auftaucht oder aber von außen an uns herangetragen wird, durch andere Menschen, Bücher, Gespräche oder durch das Verhalten des Kindes selbst. Man muss sehr wach beobachten, um die Antworten wahrzunehmen und richtig zu deuten. Die größere Kunst ist es jedoch, zu den richtigen Fragestellungen zu kommen und den Wechsel zwischen den verschiedenen Bewusstseinsebenen zu berücksichtigen. Imagination, Inspiration und Intuition können nur eintreten, wenn der Alltagsverstand schweigt. Diesen wiederum brauchen wir, um Fragen zu finden und die bildhaften oder gefühlsmäßigen Wahrnehmungen sinngemäß zu interpretieren.

Deshalb ist es hilfreich, mit einem erfahrenen Menschen zu zweit oder in einer Gruppe zu üben, bis man Sicherheit im Umgang mit diesen inneren Bildern bekommen hat. Dann übernimmt einer die Verstandesarbeit und der andere kann ganz in die imaginative Ebene eintauchen. Mit einiger Übung gelingt das auch alleine, wie das folgende Beispiel zeigt:

„Ich hatte als Lehrerin einen Sechstklässler zu unterrichten, der durch sein auffälliges Verhalten eine große Belastung für seine Mitschüler und Lehrer war. Ein zartgliedriger, sensibler hübscher Junge, Brillenträger und schwerer Asthmatiker, der einen außerordentlich hüllen- und schutzlosen Eindruck machte. Er war oft so außer sich, dass er nur herumrennen, toben, balgen, schreien konnte, mal übermütig johlend, mal wie innerlich verzweifelt nach einem Ausweg suchend.

Ich versuchte in einer Meditation nach der Ursache dieses Phänomens zu fragen. Dazu stellte ich mir den Jungen samt seinem Engel vor und fragte als erstes: Was brauchst du? Was fehlt dir? Kann ich etwas für dich tun? --- Die Antwort war zunächst ein verschreckter Blick, als ob ihm schon das Angesprochenwerden Panik bereitet. Diesen Blick kannte ich auch schon aus dem Alltag. Ich fragte seinen Engel, ob es mir erlaubt sei, nach der Ursache dieser Panik zu fragen. Als Antwort verändert sich das Gesicht des Jungen in ein Säuglingsgesicht, nur der panische Blick blieb. Der Säugling lag im Kinderwagen, ringsherum war eine hektische Kriegsatmosphäre wahrnehmbar, Menschen auf der Flucht, Angst, Panik. Die Mutter des Kindes, wo ist sie?

Auf diese Frage hin tritt dir Mutter ins Bild, die ebenfalls mit ihren Kindern auf der Flucht ist. Das Jüngste, eben dieser Säugling, stellt für diese Flucht ein großes Hindernis, eine Gefahr dar. Sie steht vor der schwerwiegenden Entscheidung, entweder das Durchkommen der gesamten Familie zu gefährden, oder aber dieses Kind zurückzulassen und seinem Schicksal zu überlassen. Sie entscheidet sich für das letztere, rettet dadurch sich und die anderen Kinder, während der Säugling allein, verlassen, in panischer Angst zurückbleibt und ums Leben kommt.

Dass ein solches unverarbeitetes Schockerlebnis sich bei der nächsten Inkarnation bis ins Körperliche hinein eingräbt, ist ebenso verständlich wie die Tatsache, dass diese nächste Inkarnation in relativ kurzem Abstand erfolgt, da der Impuls für das vorige Erdenleben sich nicht verwirklichen konnte. Betroffen machte mich die Tatsache, dass dieser Junge diesmal der Jüngste von vier Brüdern, ein nicht mehr wirklich erwünschter Nachzügler war. Beide Eltern arbeiteten voll und hatten kaum Zeit für die Kinder. Es gibt sicher viele Kinder, die mit einer solchen Situation problemlos umgehen können und darin sogar eine gewisse Stärke und Selbständigkeit entwickeln. Aber bei einer derartigen karmischen Vorbelastung reicht schon das Gefühl, von der Mutter nicht genügend beachtet und umsorgt zu sein, aus, um ein altes Trauma zu reaktivieren.

Durch dieses bildhafte Erlebnis konnte ich dem Jungen tiefstes Mitgefühl und Verständnis entgegenbringen. Es trat das Bedürfnis auf, ihm zukünftig mehr umhüllende Wärme, Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Des weiteren bekam ich in dem Bild gezeigt, dass die damalige Mutter bis an ihr Lebensende an schweren Schuldgefühlen litt und auch noch im Tod durch diese Selbstvorwürfe belastet war. Solche Emotionen schaffen ungeheuer starke Verbindungen, die oft über viele Inkarnationen bestehen bleiben können, bis die negativen Anteile gereinigt und verwandelt werden. Wird so etwas in einer Meditation erkannt, kann mit Hilfe der Engel eine Lösung und Heilung eingeleitet werden. In diesem Falle wurde eine Verbindung zu der Seele dieser Mutter möglich, die dadurch zu der Einsicht kam, dass sie weder sich selbst noch dem Kind einen Gefallen tut, sondern beide in ihrer weiteren Entwicklung unfrei und behindert sind, solange sie an ihren Schuldgefühlen festhält. Es muss dann neues Vertrauen in das Schicksal und den Sinn aller Erfahrungen gefasst werden.

Soweit die Ergebnisse der Meditation.

Am folgenden Tag raste der Junge wie gewohnt in den Klassenraum. Plötzlich blieb er vor mir stehen, wurde ganz still, beinah andächtig und sah mir tief in die Augen. Wir sprachen beide kein Wort. In meinem Blick schwang sicher alles mit, was ich tags zuvor erlebt hatte. In seinem Blick lag zunächst Erstaunen, dann Dankbarkeit, Befreiung, Erleichterung, als ob er sagen wollte: endlich jemand, der mich versteht! Danach ging er wortlos zu seinem Platz und machte still und eifrig mit, zeigte dabei seine erstaunlichen Fähigkeiten, die vorher nie zum Vorschein gekommen waren und verblüffte dadurch sowohl mich als auch seine Mitschüler. Solche Momente wurden von da an häufiger, wenngleich sein früheres Verhalten dadurch noch nicht vollständig verschwunden war.“ -



Es müssen in einer solchen bildhaften Schau nicht zwangsläufig Bilder aus früheren Leben auftauchen, vieles deutet auch symbolhaft auf Problematiken hin. Ein weiteres Beispiel soll zeigen, wie mit einem Kind selbst in urbildartiger, märchenhafter Form ein Problem bearbeitet werden konnte:

„Die fünfjährige Roswitha (Name geändert) kam zu mir zur Heileurythmiebehandlung. Sie stolperte ständig, war ungeschickt beim Gehen, konnte nicht hüpfen und klettern und schien kaum eine Wahrnehmung ihrer eigenen Beine und Füße zu haben. Ein sehr phantasievolles waches Kind, das die Eurythmie liebte und jedes Mal begeistert mitmachte. Die Bewegungen der Arme und Hände waren sehr differenziert, harmonisch und geschickt, aber mit den Füßen kamen wir einfach nicht weiter. Eines Tages benutzte ich die Ausruhzeit am Ende der Behandlung zu folgendem Versuch:

T: „Kannst du dir vorstellen, so klein zu sein, dass du in diese Kupferkugel hineinpasst und dass da auch noch ein Turm drin ist?“

R: „Ja, das ist ein kupferfarbener Turm, so wie die Kugel.“

T: „Hat der eine Tür?“

R: „Nein.“

T: „Fenster?“
R: „Ja, ganz oben.“

T: „Kannst du da eine Leiter anstellen und reinklettern?“

R: „Nee, da ist keine Leiter. Aber Rapunzel sitzt da oben und lässt die Haare runter, daran kann ich raufklettern. Und jetzt bin ich Rapunzel und warte auf den Königsohn, aber da kommt die Hexe, die mich hier eingesperrt hat.“

T: „Pass mal auf, ich verstecke mich jetzt hier und wenn die Hexe kommt, nehm ich ihr den Schlüssel ab.“

R: „Au ja. Da kommt sie schon.“ (Wir entwenden der Hexe den Schlüssel und können damit die Tür zum unteren Bereich öffnen)

R: „Da unten stehen zwei goldene Pferde, auf denen können wir zu meinen Eltern reiten. Da gibt es jetzt auch eine Tür, die geht auf, da können wir raus!“

Als Roswitha das nächste Mal kam, sagte sie gleich zur Begrüßung: „Heute müssen wir wieder zu dem Turm gehen!“ Wir machten aber zunächst die Heileurythmieübungen. Am Bewegungsbild hatte sich noch nicht viel geändert. Anschließend machten wir wieder eine „Bilderreise“. Der Turm so genauso aus wie beim ersten Mal, wieder gab es keine Tür und wieder ließ Rapunzel die Haare runter und saß oben gefangen.

R: „Die Hexe hat den Schlüssel wieder zurückgeholt, das nützt nicht, den zu nehmen, die holt den immer wieder! Die lässt mich erst frei, wenn wir sie umbringen!“

T: „Wie willst du das denn machen?“

R: „Tot stechen mit dem Messer! Oder erschießen!“

T: „O.k., ich helf dir:“---

R: „Jetzt ist sie tot… o je! Jetzt ist sie wieder lebendig und da sind auf einmal ganz viele Hexen, die kommen von allen Seiten!“ (Die Vervielfältigung des Bedrohlichen ist ein typisches Phänomen des Doppelgängers, wenn man sich gegen ihn wehren will).

T: „Kannst du deinen Engel um Hilfe bitten?“

R: „Ja, der ist da über uns und wirft mir ein Schwert zu, mit dem kann ich die Hexen töten! …O je, da oben sind auch Hexen, die werfen den anderen Hexen auch Schwerter zu!“

T: „Dann rufe den Erzengel Michael, dass er dir eine Rüstung und ein Lichtschwert gibt:“

R: „Ja, der hilft mir.“ (Nach langem Kampf sind alle Hexen getötet und begraben. Die goldenen Pferde stehen wieder unten im Turm und wir können durch die geöffnete Türe hinaus reiten)

Bei der nächsten Behandlung staune ich nicht schlecht: Roswitha springt und hüpft, hat Spaß an den Fußübungen und beherrscht sie exzellent. Nun bin ich neugierig, wie der Turm diesmal aussieht.

R: „Der Turm ist jetzt ganz golden. Die Tür ist offen, da kann man jetzt reingehn zu den Pferden.“

T: „Und die Hexe?“

R: „Die ist für immer tot!“ ---


 

 

Um auf die eingangs gestellten Fragen zurückzukommen, ob wir ein Recht oder gar die Pflicht haben, in dieser Richtung zu forschen und korrigierend einzugreifen, und wie wir diesbezüglich Sicherheit gewinnen können, möchte ich abschließend antworten: Die Sicherheit, keine Fehler zu machen, gibt es nicht, solange wir als Menschen auf der Erde inkarniert sind. Die Möglichkeit des Irrtums ist Bestandteil des Menschseins. Dies sollte uns aber nicht daran hindern, nach bestem Wissen und Gewissen von den Möglichkeiten und Fähigkeiten, die uns potentiell zur Verfügung stehen, auch Gebrauch zu machen. Die entsprechenden Fähigkeiten sind heute bei vielen Menschen veranlagt und lassen sich durch systematische Schulung zu Wahrnehmungsorganen entwickeln, die uns größere Zusammenhänge erkennen lassen und den Blick für das Wesentliche schärfen.



Viele Menschen, mit denen ich in der geschilderten Weise gearbeitet habe, haben von verblüffenden Wirkungen berichtet, die sich unmittelbar im Leben zeigten. Die Zeit, die in eine solche Arbeit investiert werden muss, zahlt sich in der Regel hundertfach aus. Viele scheinbar festgefahrenen Situationen und Probleme lassen sich durch die Einsicht in karmische Zusammenhänge lösen oder zumindest besser verstehen. So gesehen sollte es eigentlich keinen Grund geben, sich diesem großen neuen Feld, das sich der Pädagogik hierdurch eröffnet, zu verschließen.

alle Bilder: (c) fognin 

Startseite     Impressum

Creative Commons License
Dieser Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

 

Das Geheimnis der Goldmarie
Arbeit, Geld und Karma
-ein Werkstattgespräch
Herausgegeben von
Christiane Feuerstack


1. Auflage 2008
265 Seiten,
Paperback
MenschMedien Verlag 

ISBN 978-3-940586-01-8    14,80 EURO
Leseproben [externer Link]

Christiane Feuerstack

Samenkörner
karmische Bilder

mit einer Einführung in die Karmaerkenntnis

1. Auflage 2006
Zeichnungen von Marianne Tralau
216 Seiten
14,80 Euro
ISBN 3-924964-24-6

[weitere Infos]

 

diese site ist ein fognin projekt www.fognin.org
(c) fognin infotainment Eckernförde